ACTiN Park

ACTiN Park

Beispielhaft für die Prinzipien: Kommunikation, Mehrfachnutzung

VS und KMS Prinzgasse und VS Pirquetgasse / Wien

Volksschule und Kooperative Mittelschule Prinzgasse in Hirschstetten (22. Wiener Gemeindebezirk) befinden sich im selben Gebäude. Die Volksschule Pirquetgasse entstand als Expositur der VS Prinzgasse in Pavillons, erlangte aber bald die Eigenständigkeit. Derzeit werden in der VS Prinzgasse knapp 200 Kinder in 9 Klassen unterrichtet. Bei unverbindlichen Übungen können bereits die Kinder der 3. und 4. VS erste Erfahrungen mit dem Computer machen. Die KMS Prinzgasse mit derzeit rund 300 Schüler/innen weist als Besonderheit einen Informatikschwerpunkt auf und jeweils 3 Stammklassen werden zur Verringerung der Klassenschülerzahl auf 4 Kleinklassen aufgeteilt. Beide Schulen der Prinzgasse bieten Integrationsklassen und eine Nachmittagsbetreuung an. Die VS Pirquetgasse wird von ca. 200 Kindern in 8 Klassen besucht, 2 davon sind Integrationsklassen. Schwerpunkte in der Schule sind das „Bewegte Lernen“, der Sprachunterricht und ein jedes Jahr wechselndes klassenübergreifend bearbeitetes Thema (z.B. „Sicherheit für dich und mich“). Da es sich um eine Pavillonschule handelt, besitzt jede Klasse einen Ausgang ins Freie, wodurch ein flexibles Einbeziehen der Freiräume in den Schultag möglich wird.

Der Umgestaltungsprozess

Der Beteiligungsprozess zur Umgestaltung des rund 8000m² großen ACTiN-Parks und die Umsetzung erstreckten sich über 5 Jahre (1998 – 2002). Ziel war, eine offene, mehrfach genutzte Fläche zu gestalten, die sowohl für die Schulen wie auch für die Anrainer/innen unterschiedlichen Alters attraktiv ist. Insoferne war der Prozess durch die Zusammenarbeit zwischen den Schulen, Mitarbeiter/innen des örtlichen Jugendzentrums und einem Verein aktiver Bürger/innen gekennzeichnet. Die Moderations- und Vernetzungsarbeit wurde vom JZ übernommen. Als weitere treibende Kräfte erhoben engagierte Lehrer/innen der Schulen mit unterschiedlichen Methoden die Wünsche und Vorstellungen der Schüler/innen aber auch der Anrainer/innen: alle Jahrgänge in der KMS wurden mittels Fragebogen befragt, Modelle zum Teilbereich der „Grünen Schlange“ gebastelt, im Projektunterricht Anrainer/innen befragt, Zeichnungen angefertigt. Auch das erste Freiflächenkonzept mit Raumgliederung und ausgewählten Gestaltungselementen durch Mag. arch. Kohlbauer half Überzeugungsarbeit zu leisten. Im weiteren Verlauf wurde eine Bausteinaktion gestartet, um finanzielle Mittel für die Umsetzung zu gewinnen und ein ACTiN-Park Logo Wettbewerb ausgeschrieben, gleichzeitig nutzte man diese Aktionen um die „Parkidee“ zu verbreiten. Im Rahmen von Festen noch vor der Umsetzung wurden Möglichkeiten der zukünftigen Parknutzung vorweggenommen. Es sollte dabei die Kommunikation zwischen den NutzerInnengruppen, sowie eine nachhaltige Festkultur initiiert werden. Die konkrete Planung erfolgte im Jahr 2000 durch das Planungsbüro Auböck + Kárász, wobei der Bezirk die Finanzierung des ACTiN-Parks übernahm.

Der Schulfreiraum

Der ACTiN-Park besteht aus drei unterschiedlich gestalteten Bereichen: der nördliche Teil ist durch die Aneinanderreihung von Sportflächen (Fußball, Basketball, Volleyball) mit Belägen aus Asphalt und Kunststoff charakterisiert. Zur Wohnanlage im Norden wurden daher durchgängig Ballfanggitter angebracht. Südlich an die Sportflächen anschließend befinden sich eine Ballspielwand, ein Trinkbrunnen und die langgezogene „Grüne Schlange“ mit kleinen Geländemodellierungen, Strauchpflanzungen zum Verstecken und einfachen Spielelementen wie Kriechtunnel, Rutsche und Rampen. Der südlichste Teil des Parks ist durch alte Bäume (Walnuss, Ahorn, Birke) gekennzeichnet zwischen denen mobile Sitzgelegenheiten aufgestellt, Holzbalken zum Sitzen und Balancieren und eine große Netzpyramide errichtet wurden. Die Skateranlage am Rande des Parks war eine der ersten in Donaustadt.

Die zurückhaltende Geräteausstattung des Parks wird durch das mobile Spielmaterial, das beim Jugendzentrum ausgeliehen werden kann, ergänzt.

Die Nutzung

Die VS nutzen die Flächen in längeren Einheiten eher gegen Ende des Unterrichtstages als Bewegungsausgleich für die Schüler/innen. Die Sportflächen werden besonders von der KMS im Sportunterricht genutzt; die Pausennutzung des Parks durch die KMS findet derzeit weniger statt, ist aber ein Ziel für die nähere Zukunft.

Da der Freiraum öffentlich zugänglich ist, wird er von den unterschiedlichsten Gruppen aus der Umgebung aufgesucht: von Kindern und Jugendlichen nach dem Unterricht zum Spielen, Treffen, Aufgabe machen; nicht nur für Eltern mit ihren Kindern ist der Sitzbereich unter dem Nussbaum ein Kommunikationsort; Anrainer/innen nutzen den Park zum Durchgehen. Es werden im Park schulische und nachbarschaftliche Feste gefeiert. Die Idee der Mehrfachnutzung hat sich trotz mancher Konflikte sehr gut entwickelt, nicht zuletzt aufgrund der Gesprächsbereitschaft aller Beteiligten. Das JZ vor Ort spielt dabei eine wichtige Rolle als Anlaufstelle bei verschiedensten Anliegen – nicht nur für Jugendliche. Vor allem für die Parknutzung durch die Jugendlichen wurden auch Regeln ausgehandelt. An der Kommunikation der „Parkidee“, die auf ein funktionierendes aktives Gemeinwesen aufbaut, wird immer wieder aufs Neue gearbeitet.

Kontakt

Volksschule Prinzgasse: Die Schule ist 2016 in den neu errichteten Zubau der Volksschule Pirquetgasse übersiedelt.

Kooperative Mittelschule Prinzgasse

Jugendzentrum

Standort in Google Maps anzeigen

 

Planer/innengemeinschaft:

Mag. Martin Kohlbauer (Konzept)

Auböck + Kárász landscape architecture design (Planung)

MA 42 (Wiener Stadtgärten) 

MA 56 (Wiener Schulen)

MA 18 (Stadtentwicklung Wien): Gabriele Schrack

 

Text und Plangrafik: Büro tilia, Fotos: MA 18

Auf der Homepage seit Sommer 2008, aktualisiert 01/2018

Bilder und Pläne