Planung

HIB Boerhaavegasse

Planung

Freiraumplanung: ARGE idealice - DI Alice Größinger & DI Paula Polak
Beratung Spielgeräte Gestaltungsplan: Paul Toporek
Auf die Beteiligung und den daraus entwickelten Gestaltungsplan, der den gesamten Garten mit einer Fläche von ca. 8.000 m² umfasste, folgte von 2005 bis 2007 der Planungsprozess mit den Leistungen Vorentwurf, Entwurf, Detailplanung und Ausschreibung. Diese Planung wurde allerdings auf den Innenhof, der durch den Abbruch eines Pavillons an Größe gewonnen hat, und eine Fläche von ca. 4.500 m² umfasst, beschränkt. Der Hof wurde in drei Teilbereiche gegliedert:

  • Ateliergarten
  • Bühnengarten
  • Naturgarten

Beim Entwurf für den Schulfreiraum wurden alle Prinzipien der Schulfreiräume berücksichtigt:

  • zahlreiche gegliederte Orte für Kommunikation und Bewegung, genauso wie kleine Pausenplätze und Rückzugsorte für Erholung und Entspannung
  • Mädchen wie Buben finden Angebote zum Spielen. So wird zum Beispiel der von der Ballettklasse geplante Ballettstreifen mit den in Beton eingedrückten 6 Grundpositionen von beiden Geschlechtern gerne ausprobiert.
  • Kleine Gruppen finden Lernorte auf den Holzdecks - oder ganze Klassen in der großzügigen Freiluftklasse. An der langen Werkbank wird künstlerisch gearbeitet; gefertigte Kunstwerke werden dort ausgestellt und präsentiert.
  • Mehrfachnutzung erfolgt in der Freizeit durch die InternatsschülerInnen.
  • Fast alle Gestaltungselemente sind multifunktional einsetzbar; so ist beispielsweise die abgesenkte Freiluftklasse im Holzdeck gleichzeitig eine kleine Bühne oder, weil mit Fallschutzkiesel befüllt, eine Sprunggrube.
  • Auf Sicherheit und Barrierefreiheit sowie Umwelt und Natur wurde in der Planung ebenso Wert gelegt. Vor allem im Bereich des Naturgartens mit dem Bachlauf und in der trockenheitsverträglichen Pflanzenwahl soll Nachhaltigkeit thematisiert werden.
  • Der Garten darf und soll sich auch von und für die künftige Nutzergenerationen verändern.

Die Praxistauglichkeit der Umsetzung wurde in den nächsten Jahren beobachtet und evaluiert.
Nachstehend seien hier drei Prinzipien besonders hervorgehoben, die jeweils einen der 3 Hauptbereiche definieren:

Ateliergarten

Der Ateliergarten verwirklicht das Prinzip: Präsentation
Der Ateliergarten wird durch zwei Beläge definiert:
- die harte Asphaltfläche, die für die Feuerwehrzufahrt notwendig ist und
- die naturnahe, wassergebundene Schotterdecke.
Als verbindende Elemente fungieren Kunststreifen, die von den SchülerInnen mitentworfen, teilweise auch selbst bemalt oder gestaltet wurden.
Die Ausgestaltung thematisiert die 4 Zweige der Schule
Musischer Zweig: ein von der Schule selbstgebautes Klangelement wurde hier aufgestellt.
Ballettzweig: Fußabdrücke der sechs Grundpositionen wurden von Schülerinnen in Beton eingedrückt. .So kann jede/r Ballet üben.
Bildnerischer Zweig: Eine lange Werkbank bietet Arbeitsraum im Freien. Dazu wurden alte Werkbänke der Schule saniert und mit Betonfundamenten fixiert.
Moderne Sprachen: in einen Kunststreifen aus Krustenplatten wurden Begrüßungsworte in verschiedenen an der Schule gelehrten Sprachen eingemeißelt.

Naturgarten

Der Naturgarten verwirklicht das Prinzip: Natur & Umwelt
Im Zuge der Partizipation wurde der Wunsch nach "mehr Grün, mehr Natur" wiederholt formuliert und primär gereiht. Der Vorstellung von üppigen, sattgrünen Rasenflächen konnte allerdings nicht entsprochen werden; Rasen würde dem Betritt von rund 1.000 Jugendlichen nicht Stand halten. Zusätzlich stellte sich das Problem der mangelnden Pflege- und vor allem Gießkapazitäten.
So entstand auf ca. 900 m² das Konzept "Naturgarten", mit den Schwerpunkten Bachlauf, Schotterrasen, Wildstaudenbeeten.
Über 200 m² nimmt der Bachlauf ein, der aus der Vogelperspektive einer Riesenschlange nachempfunden ist. Wasser plätschert in das von Sitzsteinen eingerahmte Quellbecken und mäandriert in einem zwischen 1 und 3 Meter breiten, bepflanzten Bachbett bis in den 50 m² großen Teich. Der Bach ist besetzt mit 60 verschiedenen, robusten heimischen Sumpf- und Wasserpflanzenarten wie Rohrkolben, gelber und blauer Schwertlilie, Seerosen, Fieberklee, Sumpfdotterblume und Sumpf- Vergissmeinnicht. Die Pflanzen entziehen dem Wasser die Nährstoffe, wandeln sie in Blattmasse um und halten so das Wasser sauber. Der Bachlauf ist mittels Betonbett sicher eingerahmt von Natursteinen und kann auf Trittsteinen und Holzbrücken an mehreren Stellen überquert werden. Im Sinne des Prinzips der "Veränderbarkeit" wurden nicht alle Steine und Kiesel im Bachlauf einbetoniert, freies Gestalten und Wehre bauen sind noch möglich. Natürlich wird der Bach - vor allem von SchülerInnen der Unterstufe - zum Überspringen ebenso genutzt wie zum "Füßebaden" und "Papierschifferl fahren". Mehrere Lärchenholzdecks bieten Jugendlichen aller Schulstufen die Möglichkeit zu Entspannung und Kommunikation.
Die Bewegungs- und Abstandsflächen sind als Schotterrasen angelegt, wodurch Regen versickern kann - aufgebaut wie eine wassergebundene Schotterdecke, mit 2 cm Humus oberflächig eingearbeitet, besamt mit speziell trittfesten, bedürfnislosen Pflanzenarten.
Außerhalb der sich durch die Nutzung ergebenden Trampelpfade wirkt der Schotterrasen grün, auf den Pfaden selbst geht man trocken, Regen versickert im Unterbau aus Gräder. Hier werden die Prinzipien "Nachhaltigkeit" und "Ökologie" angewandt.
Die Pflanzbeete wurden rechteckig geplant, klar abgegrenzt vom Schotterrasen mit einer der heimischen Natur nachempfundenen Pflanzenauswahl. Auch Essbares wie Erdbeeren, Brombeeren, Ribisel und Stachelbeeren und Duftpflanzen wie Lavendel und Currykraut wurden eingeplant.

Bühnengarten

Der Bühnengarten verwirklicht das Prinzip: Kommunikation
Das 520 m² große Holzdeck aus Lärchenholz integriert die Bestandsbäume, eine vertiefte Freiluftklasse und eine riesige Bühne für Schulveranstaltungen. Die vertiefte Klasse wird nicht nur für den Unterricht, sondern - ganz im Sinne der Multifunktionalität - auch als mit Fallschutzkies gesicherte Sprunggrube genutzt. Das Lärchenholz bietet bei jeder Temperatur eine relativ warme Oberfläche und trocknet nach Regen schnell wieder ab.
Sitzstufen zum Internat und Naturgarten werden eifrig zum Sitzen, Laufen und Springen genutzt. Das Deck ist mit Pflanzbeeten gegliedert. Eine überdachte Freiluftklasse wurde in der Planung bereits vorgesehen und soll von der Schule in einem zweiten Umsetzungsschritt selber gebaut werden. Sie wird als regendichter Schattenraum eine wichtige Funktion erfüllen.